Klangschale: halbkugelförmiges Musikinstrument, zumeist aus Metall wie Messing

Klangschale - tibetische Universalschale
Diese Klangschale hat eine universelle Größe. Sie wurde nach traditioneller, tibetischer Bauweise in Handarbeit gefertigt – daher die Bezeichnung tibetische Univeralschale.

Die Klangschale ist ein halbkugelförmiges Musikinstrument, das zur Klangmassage, Meditation und Klangtherapie verwendet wird.

Eine Klangschale wird mit einem Klöppel oder Schlägel (zumeist mit Filzbezug) angeschlagen oder gerieben. Zumeist bestehen Klangschalen aus Metall wie z. B. Messing, sie werden aber auch aus anderen Materialien wie z. B. Kristall oder Quarz gefertigt.

Ursprung der Klangschalen

Musik und Klänge werden von den Menschen z. B. zur Beruhigung von Kindern, zur Freude und Stärkung des Gruppengefühls oder zu spirituellen und therapeutischen Zwecken eingesetzt. Das war bei allen bekannten indigenen Kulturen so und hat sich bis heute nicht geändert. Noch im Mittelalter gehörte eine Musikausbildung mit zum Studium eines Arztes. Seit dem war die Idee der Heilung durch Klänge und Musik etwas verloren gegangen. Klangschalen sind in der westlichen Kultur ein Teil der Rückbesinnung.

Klangschalen | Massage-Expert Shop

Ursprünglich sind Klangschalen ein traditionelles Küchengeschirr aus dem fernen Osten, vor allem aus Tibet, Nepal, Indien, China und Japan. Ob Klangschalen bei buddhistischen Ritualen eine Rolle gespielt haben, gibt es bisher keine Belege (1).

Bauarten

Klangschalen - Herzschale und Kopfschale
Klangschalen gibt es in unterschiedlichen Größen und Formen. Dies Auswahl ist eine Sache der Erfahrung und hängt auch sehr von den Vorlieben des Massagegastes ab, denn schließlich soll dieser damit zur Entspannung kommen.

Eine Klangschale ist zumeist halbkugelförmig mit runden oder eher geraden Seitenkanten. Allerdings reicht ihr Querschnitt auch bis zu gongartigen (sehr flachen) Formen. Im Durchmesser variieren Klangschalen zwischen 10 und über 50 cm. Die Stärke des Randes prägt den Klang einer Schale ganz besonders. Der Rand ist gewöhnlich zwischen 0,5 und 5 Millimeter dick. Klangschalen wiegen zwischen 200 Gramm bis mehr als 5 kg, häufig aber nur bis zu 2 kg.

Traditionell werden Klangschalen aus einer Legierung aus Kupfer und Zinn hergestellt. Oft werden Klangschalen aufgrund niedrigerer Kosten aus Messinglegierungen hergestellt – der bekanntesten Kupferlegierung mit Zink als Legierungsmetall. Darüber hinaus können diverse Begleitmetalle enthalten sein (z. B. Eisen, Zink, Blei, Spuren von Silber, Gold, Tellur). Alte Klangschalen beinhalten aufgrund der unsauberen Raffinierung wesentlich mehr Begleitmetalle.

Klangschalen | Massage-Expert Shop

Über die Zusammensetzung der Metalle wird viel geschrieben, interpretiert und angepriesen. Dahinter verbergen sich aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise lediglich Marketingstrategien. Denn sachlogisch ist nicht klar, warum der Klang einer goldenen (bzw. golden aussehenden) Klangschale prinzipiell besser ist als der von einer Klangschale aus unterschiedlichen Metallen.

Auch das Alter der Klangschale verbessert ihren Klang nicht, wie es zum Beispiel bei vielen Weinen der Fall ist. Gerne wird die Bezeichnung Antike Klangschale verwendet, um eine höhere Marge erzielen zu können. Einen sachlogischen Grund dafür, dass eine (vermeintlich) nach antiken Verfahren hergestellte Klangschale eine höhere Qualität für die Klangmassage haben soll, gibt es nicht.

Herkunft

In der Himalaya-Region wurde die handwerkliche Fertigung der Klangschalen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast komplett aufgegeben. Erst die Nachfrage westlicher Länder hat die Produktion Ende des 20. Jahrhunderts wieder aufleben lassen.

Bauchige, halbkreisförmige Schalen von einigen 100 Gramm bis 5 kg finden sich vor allem unter den tibetischen, nepalesischen, bengalischen und neuen indischen Schalen. Klangschalen mit geradem Rand in kleineren und mittleren Gewichtsklassen bis 1.000 Gramm werden häufig in Indien hergestellt. Schalen aus Ostnepal haben häufig eine Suppenschüsselform und wiegen unter 1.000 Gramm. Oft werden aber auch Formen bzw. Herstellungsverfahren anderer Regionen verwendet und so lässt sich allein anhand der Bauweise kein direkter Bezug zur Herkunft einer Klangschale herstellen.

Die in Europa angebotenen Klangschalen kommen häufig aus Indien, Nepal und Tibet. Entsprechend der Herkunft oder der traditionellen Bauweise werden sie als Tibetische Klangschalen, Himalaya-Klangschalen, Indische und Nepalesische Klangschalen bezeichnet.

Bezeichnungen von Klangschalen im Handel

Im Handel haben sich unterschiedliche Namen für Klangschalen etabliert. Sie geben Auskunft über die verwendeten Materialien, die Herkunft der Klangschale, die Bauweise oder den Ton, den sie erzeugen. Im Folgenden werden einige gängige Bezeichnungen kurz vorgestellt.

Tibetanische und indische Klangschalen

Abgebildet ist eine tibetische Klangschale mit Gravur als Herzschale
Abgebildet ist eine tibetische Klangschale mit Gravur als Herzschale

Oft werden Klangschalen nach dem Land, wo sie in Handarbeit oder in einem Gussverfahren hergestellt werden benannt. Das ist bei Tibetischen bzw. Tibetanischen Klangschalen oft anders.

Zwar gilt Tibet als Ursprungsland dieser Klangschalen, gefertigt werden sie aber aufgrund der politischen Situation gegenwärtig in Nepal oder in Indien. Dabei wird aber oft die traditionelle Herstellungsweise wie in Tibet verwendet, wodurch die Klangschalen ihren Namen auch zu Recht tragen.

Indische Klangschalen

Häufig bezeichnet man die indischen Klangschalen nach dem Bundesstaat, aus dem sie kommen. Sie unterscheiden sich zudem in ihrer Bauart und Form voneinander:

„Orissa-Klangschalen“ werden im nord-östlich gelegenen indischen Bundesstaat Orissa handgefertigt. Sie haben eine gerade Form und die mit einem höheren Gewicht bis maximal 1800 Gramm besitzen eine dickere Wandstärke. Der Ton dieser Klangschalen ist glockenartig und stehend, allerdings nicht sehr stark raumfüllend.

Zubehör für die Klangmassage | Massage-Expert Shop

„Assam-Klangschalen“ stellt man im indischen Bundesstaat Assam nur in kleinen Größen bis maximal 800 Gramm her. Von der Form her sind sie flach und weit ausladend gearbeitet, wodurch sie einen weitläufigen und raumfüllenden Klang entfalten.

„Bihar-Klangschalen“ haben oben einen leicht nach innen gezogenen Rand und eine kleine Wölbung am Schalenboden. Weil sie dünnwandig gebaut sind, wiegen sie nicht mehr als 700 bis 800 Gramm, aber sie schwingen besser als andere gleichwertige Klangschalen. Der Ton ist glockenartig und beginnt leicht zu surren, wenn man die Schale nicht sanft genug anschlägt.

Chinesische und japanische Klangschalen

Klangschalen aus China werden wegen ihres Klanges oft als „Chinesische Tempelglocken“ bezeichnet. Ihr obiger Rand ist dicker gearbeitet, ansonsten sind sie dünnwandig. Die Form der Klangschalen, ebenso ihr Zubehör wie Klöppel und Kissen sind mit einer harmonischen Optik gestaltet. Sie entfalten einen weichen und warmen Ton, der anhaltend im Raum nachklingt.

Auch die japanischen Klangschalen vereinen optisch höchste Ästhetik und Formvollendung mit einer ausgezeichneten Klangqualität. Seit vielen Jahrhunderten stellt man diese Klangschalen, bei denen eine besonders geheim gehaltene Messinglegierung verwendet wird, in Handarbeit in kleinen Werkstätten her. Je größer sie gefertigt sind, umso tiefer wird ihr Klang. Sie sind dickwandiger und schwerer und können, wenn sie besonders groß sind, einen tiefen, vollen und lange anhaltenden Ton entfalten, der eindrucksvoll im Raum stehen bleibt.

Planetenklangschalen und Chakren-Klangschalen

Bei Planetenklangschalen werden die vorher mathematisch ermittelten Planetenfrequenzen den Tönen der Klangschalen zugeordnet. Man benennt sie entsprechend dieser Berechnung nach den jeweiligen Planeten zum Beispiel als „Mondton-Klangschale“, „Erdton-Klangschale“, „Merkur-Klangschale“ oder auch „Biorhythmus-Klangschale“.

Diese Klangschalen sind gut geeignet für die Klangmassage-Therapie, ebenso wie die Chakren-Klangschalen. Letztere werden nach einer speziellen Chakren-Methode vom Ton her gefertigt und sind daher von den Planetenklangschalen zu unterscheiden.

Peter Hess-Therapieklangschalen

Peter Hess Klangschale Therapieklangschale
Abgebildet ist eine Klangschale von Peter Hess. Es handelt sich um die Kleine Beckenschale, die vor allem im gleichnamigen Körperbereich zum Einsatz kommt.

Zu diesen speziell für die Klangmassage-Therapie hergestellten Klangschalen gehören die Klangschalen für den oberen Körperbereich (flache und bauchige Kopfschale, große und kleine Herzschale) und für den unteren Körperbereich (kleine und große Beckenschale). Die „Universalschale“ entfaltet ihr gesamtes Klangvolumen, wenn sie mit verschiedenen Klöppeln angeschlagen wird. Sie kann bei der Therapiearbeit auf verschiedenen Körperregionen zur Anwendung kommen.

In extra große spezielle Fußschalen kann man sich bei der Klangmassage sogar hineinstellen und den ganzen Körper vom Klang durchströmen lassen.

Herstellung von Klangschalen

Zur Herstellung wird das Metall oder Metallgemisch geschmolzen und in Gussformen gefüllt. Der so entstehende flache, runde Metall-Rohling wird mit Hilfe hoher Temperaturen in die gewünschte Klangschalen-Form getrieben und anschließend poliert. Oft werden die Klangschalen anschließend noch verziert.

In der Himalaya-Region wurde die handwerkliche Fertigung der Schalen bis 1940 fast komplett aufgegeben. Erst die jüngste Nachfrage westlicher Länder hat die Produktion wieder aufleben lassen. Oft werden Klangschalen aufgrund niedrigerer Kosten aus Messinglegierungen hergestellt oder gegossen.

Spielweise – Anschlagen und Reiben

Anschlagen einer Klangschale
Klangschalen können angeschlagen oder angerieben werden. Das Reiben wird häufig für meditative Zwecke verwendet, bei einer Klangmassage wird die Klangschale typischerweise angeschlagen – so wie hier dargestellt.

Es gibt grundsätzlich zwei Spielweisen von Klangschalen. Bei der Klangmassage wird vor allem angeschlagen. Für meditative Zwecke und lang anhalteten Töne reibt der Klangmasseur mit einem harten Schlägel oder um den Rand der Klangschale herum – ähnlich wie mit dem Finger und Weinglas.


Quellenverzeichnis

  1. Colin Goldner: Die Psycho-Szene, Alibri Verlag, 2000, S. 505.
MH

Autor:

Ähnliche Beiträge