Bindegewebsmassage: manuelle Reiztherapie der Haut

Bindegewebsmassage am Rücken
Ein Bindegewebsmassage wird mit zwei Händen auf dem Rücken durchgeführt.

Die Bindegewebsmassage ist eine manuelle Reiztherapie, die am direkt unter der Haut befindlichen (subkutanen) Binde- und Fettgewebe ansetzt. Es wird mit tangentialen Zugreizen, der Faszientechnik sowie anderen Haut- und Unterhauttechniken gearbeitet. Über die Reflexbögen wird dadurch auf innere Organe, den Bewegungsapparat und die Haut eingewirkt. Insofern gehört die Bindegewebsmassage in den Bereich der Reflexzonenmassage. (1)

Die Bindegewebsmassage wird zur Behandlung und zur Diagnose von Erkrankungen verwendet. (2)

Die Methode geht auf Elisabeth Dicke zurück. Sie entwickelte im Jahre 1929 die Subkutane Reflextherapie (SRT).

Die Behandlungskosten der Bindegewebsmassage werden von einigen Krankenkassen (teilweise) übernommen.

Sonderformen der Bindegewebsmassage sind die Segmentmassage und die Muskelreflexzonenmassage.

Entdeckung der Bindegewebsmassage durch Elisabeth Dicke

Die deutsche Physiotherapeutin Elisabeth Dicke (1884-1952) entdeckte die Bindegewebsmassage im Jahre 1929 durch eine intuitive Eigenmassage. Elisabeth Dicke litt unter einer schweren Behinderung ihres Beins, das nicht ordentlich durchblutet wurde. Das Bein war bereits gefühllos, ständig kalt und verfärbt – eine Amputation drohte.

Durch das monatelange Liegen litt Frau Dicke außerdem unter Rückenschmerzen. Sie behandelte diese intuitiv mit einer Massage. Dabei ertastete sie Partien mit hoher Spannung der Haut und Unterhaut. Durch wiederholende Zugbewegungen versuchte sie, diese Spannungen zu verteilen. Mit Erfolg: die anfänglich sehr schmerzhafte Massage löste die Spannungen auf, die Rückenschmerzen ließen nach. Umso erstaunlicher war, dass die Massage außerdem ein Kribbeln und Stechen im Bein auslöste, die sich mit Wärmewellen abwechselten. Schließlich wurden die Beschwerden stetig und nachhaltig gebessert. Nach einer dreimonatigen Behandlung der Rückenpartie waren die Beschwerden am Bein vollständig zurückgegangen – die Behinderung war aufgehoben. (3)

Bedingt durch ihre schweren Durchblutungsstörungen im Bein hatten sich anderweitige Beschwerden an inneren Organen gebildet wie z. B. eine entzündliche Leberschwellung und Nierenkolik. Diese wurde mit Hilfe der Bindegewebsmassage ebenfalls vollkommen behoben. (3)

Die Physiotherapeutin hat daraufhin auch bei ihren Patienten entsprechende Haut, Muskulatur und Unterhautbindegewebe wiedergefunden und positiv behandelt. (4)

Die neue Methode wurde anschließend von Hr. Professor Kohlrausch und Fr. Dr. Teirich-Laube über einen Zeitraum von einem Jahr geprüft und ihre Wirkung bestätigt. (3)

Beindegewebszonen

Die Bindegewebszonen sind nahezu identisch mit den Headschen Zonen. Sie treten erst beim beim Ertasten und Behandeln schmerzhaft in Erscheinung. Die Bindegewebszonen weisen eine erhöhte (Haut-) Spannung auf und lassen sich weniger leicht verschieben.

Folgende Bindegewebszonen gibt es (vom Kopf abwärts sortiert): Kopfzonen, Bronchialzone, Armzone, Magenzone, Leberzone, Herzzone, Nierenzone, Darmzone, Genitalzone, Blasenzone sowie Venen-Lymphzone. (1)

Wirkungsweise der Bindegewebsmassage

Die Bindegewebsmassage wird hauptsächlich in den verschiedenen Zonen des Rückens ausgeübt. Es wird davon ausgegangen, dass vom Rücken her die beste Fernwirkung erzielt werden kann. Zeitgleich befinden sich hier häufig Stellen, wo die Haut mit der Unterhaut verklebt ist. (2) Durch besondere Massagetechniken wird versucht, diese Verklebungen zu lösen und einen Spannungsausgleich zu erzielen. (1, 4)

Die Fernwirkung auf die inneren Organe erfolgt nach naturheilkundlicher Vorstellung, indem die Haut von Nervenfasern versorgt wird. Jeder dieser Nervenfasern hat ihren Ursprung in einem bestimmten Teil der Wirbelsäule. Die Hautpartien, welche von ein und demselben Nervenstrang versorgt werden, sind in so genannte Segmente unterteilt. Zu den Segmenten zählen neben den Hautpartien auch die jeweiligen inneren Organe, welche durch den entsprechenden Nervenstrang versorgt werden. (1)

Daher haben Bindegewebstherapeuten auf dem Rücken senkrecht zur Wirbelsäule verlaufende Zonen festgelegt, die jeweils zu einem Organ zugeordnet werden.
Bilden sich in diesen Zonen Verklebungen, deutet das auf eine Organstörung hin. Die Organe sollen dann durch eine Massage des Hautsegments positiv beeinflusst werden. (1)

Die Bindegewebsmassage wurde unter Einbezug der Gravitationsauswirkungen auf den menschlichen Körper weiterentwickelt. Dabei soll die Körperstruktur wiederhergestellt werden, die bedingt durch Schwerkraft und andere Einflüsse verändert wurde. (1)

Durchführung der Bindegewebsmassage

Tastbefund

Vor der eigentlichen Bindegewebsmassage erfolgt ein Tastbefund. Damit sollen die folgenden Fragen beantwortet werden:

  • Wie hoch ist der Anteil der Flüssigkeit im Gewebe?
  • Sind Rheumaknötchen in der Unterhaut vorhanden?
  • Bestehen Unterschiede in der Spannung der Muskulatur? (2)

Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen die anschließend eingesetzten Massagetechniken.

Arbeitsgänge

Die Bindegewebsmassage nach Elisabeth Dicke folgt einem strengen Behandlungsaufbau.

  • Die Behandlung beginnt stets mit Arbeitsgängen in der Beckenregion (sog. Kleiner Aufbau). Dort erfolgen einige wenige Durchgänge.
  • Anschließend werden die einzelnen Striche auf dem ganzen Rücken ausgeführt.
  • Zum Abschluss erfolgt unter Einbeziehung des Bauches der sogenannte Große Aufbau.

Eine Sitzung dauert in der Regel 10 bis 15 Minuten, in den ersten Behandlungen auch länger. (1)

Anwendungshäufigkeit

Um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, werden Bindegewebsmassagen zwei- bis dreimal in der Woche durchgeführt. (2)

Massagetechniken

Bindegewebsmassage am Rücken
Ein Bindegewebsmassage wird mit einer Hand auf dem Rücken durchgeführt.

Die Bindegewebsmassage setzt direkt am unter der Haut befindlichen (subkutanen) Binde- und Fettgewebe an. Es wird mit tangentialen Zugreizen, der Faszientechnik sowie Haut- und Unterhauttechniken gearbeitet. Diese Techniken werden im Folgenden kurz beschrieben:

  • Flächige Techniken: Das Unterhautgewebe wird mit Daumen und Fingerkuppen flächenartig verschoben.
  • Hauttechnik: Die oberflächliche Haut wird flächig verschoben.
  • Unterhauttechnik: Durch einen stärkeren Zug wird die Unterhaut verschoben.
  • Faszientechnik: Die Faszientechnik setzt am Faszien- und Muskelrand an. Die Faszien bezeichnen die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes. Mihilfe der Fingerkuppen wird an den Faszienrändern in kurzen Arbeitsgängen „angehakt“. Der Zug ist hier am stärksten.

Je höher die Spannung beim angewendeten Zug, desto kürzer die Arbeitsgänge (1)

Anwendungsbereiche

Neben der örtlichen Wirkung auf und unter der Haut soll die Bindegewebsmassage vor allem die inneren Organe ansprechen.

Folgende Beschwerden sollen gemäß ehandelt werden können:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates: WS-Syndrome, Arthrosen, rheumatische Erkrankungen
  • Erkrankungen der inneren Organe: Atemwegsorgane, Verdauungsorgane
  • Erkrankungen im urogenitalen Bereich
  • Gefäßerkrankung: Funktionelle arterielle Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose, Migräne, Postthrombotisches Syndrom
  • Neurologische Störungen: Paresen, Spastiken, Neuralgien
  • Stress
  • Morbus Sudeck (5)

Darüber hinaus wird vom Einsatz in den folgenden Bereichen berichtet:

  • Cellulite (6)
  • Menstruationsbeschwerden
  • Leber- und Gallenbeschwerden
  • Durchblutungsstörungen der Beine
  • Nicht entzündliche Venenleiden, zum Beispiel Krampfadern (2)

Die Anwendung der Bindegewebsmassage muss immer mit dem behandelnden Artz abgestimmt werden. Sie ist nicht für die Selbstanwendung geeignet. Sie sollte stets von einem ausgebildeten und erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden.

Kontraindikationen

In den folgenden Fällen wir von einer Behandlung mit der Bindegewebsmassage abgesehen:

  • Akute Entzündungen
  • Akuter Asthmaanfall
  • Herzerkrankungen (1)

Quellenverzeichnis

  1. Wikipedia.org: Bindegewebsmassage, abgerufen am 30.03.2012.
  2. Meine-Gesundheit.de: Bindegewebsmassage, abgerufen am 30.11.11.
  3. Massagen-zug.ch: Geschichte der Bindegewebsmassage, abgerufen am 30.11.11.
  4. Therapeutenfinder.com: Dr. phil. Herbert Grassmann, Bindegewebsmassage (BGM), abgerufen am 30.11.11.
  5. Dicke, Elisabeth (1953): Meine Bindegewebsmassage. Hippokrates-Verlag Marquardt & Cie., Stuttgart, S. 38f.
  6. Massage-Expert Portal, Journal: Was gegen Cellulite wirklich hilft – 4 erfolgreiche Massage-Anwendungen, abgerufen am 30.04.2012.
MH

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