Manuelle Lymphdrainage: medizinische Massage zur Entstauung von Ödemen

Lymphdrainage am Knie
Lymphdrainage am Knie einer Frau (Foto: Wikipedia, Nazareth)

Die Manuelle Lymphdrainage (ML) ist eine besondere Form der medizinischen Massage, durch die gestaute Flüssigkeit im Gewebe (Ödem) zum Fließen angeregt werden soll. (1) Es handelt sich, anders ausgedrückt, um eine Therapieform zur Entstauung von lymphostatischen Ödemen bzw. ödematösen Schwellungen. Diese treten bei einer ungenügenden Transportfähigkeit der Lymphgefäße auf. Es wird zwischen primären (angeborenen) und sekundären Lymphödemen unterschieden.

In ihren Grundzügen wurde die Lymphdrainage bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Alexander von Winiwarter und Johann von Esmarch erstmals eingesetzt. (2) Dr. Emil Vodder hat in den 1930er Jahren aus diesem Ansatz eine genaue Technik bzw. Therapieform entwickelt.

Häufig wird die Manuelle Lymphdrainage bei verletzungs- oder operationsbedingten Schwellungen oder bei Gelenkerkrankungen angewandt, z. B. nach einer Lymphknotenentfernung oder nach einer Brustkrebsoperation. (3)

Bei stärker ausgeprägten lymphatischen Problemen, z. B. Stauungen, wird die Manuelle Lymphdrainage mit Kompressionsbinden, maßgefertigten Kompressionsstrümpfen, Hautpflege und Bewegungstherapie kombiniert. Der zusammenfassende Begriff für diese Maßnahmen ist Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). (3)

Entwicklung der Lymphdrainage

Erste Erkenntnisse des Lymphgefäßsystems gab es bereits vor dem 16. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert wurde es in seiner Gesamtheit wiederentdeckt und ausführlich beschrieben. (4)

Die Manuelle Lymphdrainage wurde von der Klassischen Massage abgeleitet. In ihren Grundzügen wurde die Lymphdrainage bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Alexander von Winiwarter und Johann von Esmarch erstmals eingesetzt (2).

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Der dänische Physiotherapeut Dr. Emil Vodder hat in den 1930er Jahren aus diesem Ansatz eine genaue Technik bzw. Therapieform entwickelt. (1)

Vodder war 1932 an einem Institut für physikalische Therapie an der Cote d’Azur (Frankreich) beschäftigt. Er beobachtet, dass Kurpatienten mit chronischen Erkältungskrankheiten häufig geschwollene Lymphknoten am Hals aufwiesen. Entgegen der damaligen Lehrmeinung massierte Vodder die Halslymphknoten mit Dreh- und Pumpbewegungen und konnte so Linderung bewirken. Nach diesem Erfolg behandelte Vodder auch Lymphknoten anderer Körperregionen erfolgreich. (1)

In den 1960er Jahren hat sich die Manuelle Lymphdrainage etabliert. Seit dem wird sie in deutschen Massage– und Krankengymnastikschulen gelehrt. (3)

Heute ist die Manuelle Lymphdrainage vor allem in Deutschland und Österreich weit verbreitet. In den USA wird sie seltener angewendet. (3)

Gefäßsystem der Lymphbahnen

Neben dem Blutkreislauf stellen die Lymphbahnen ein weiteres Gefäßnetz dar. Sie transportieren lebenswichtige Stoffe zu den Körperzellen. In der Lymphe befinden sich auch Schadstoffe, schadhafte Zellen und Krankheitserreger, die in den Lymphknoten gefiltert werden. Diese reinigen die Lymphe von schädlichen Substanzen. (5)

Die Lymphgefäße, genauer die Lymphangione, kontrahieren im Ruhezustand mit einer Frequenz von 10 bis 12 Mal pro Minuten. Diese Kontraktionen sichern den Weitertransport der Lymphe. (6)

Grundgriffe und Anwendung

Durch verschiedene Grifftechniken soll das Lymphsystem aktiviert werden. Diese werden bei der Anwendung an die entsprechende Körperstelle angepasst. Emil Vodder entwickelte 4 Grundgriffe für die Manuelle Lymphdrainage:

  • stehender Kreis
  • Pumpgriff mit Hilfe von Daumen und Finger
  • Schöpfgriff
  • Drehgriff, hier wird die Haut gegen die Unterhaut verschoben (3)

Die Massagerichtung orientiert sich an der Abflussrichtung der Lymphe. Durch den Einsatz der Grifftechniken kann die Kontraktionsfrequenz der Lymphangione von ca. 10-12 auf etwa 20 pro Minute gesteigert werden (3). Entsprechend kann teilweise doppelt so viel Lymphe transportiert werden.

Lymphdrainagen werden häufig mit weiteren Entstauungsmethoden eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Bewegungsübungen, Bandagierungen, Hautpflege und eine entstauende Lagerung. (3)

Wirkung der Manuellen Lymphdrainage

Neben der entstauenden Wirkung der Lymphe bei Ödemen sind die sympathikolytische (Anregung des Margen-Darm-Traktes, Beruhigung), schmerzlindernde (gem. Gate-Control-Theorie (7)) und die tonussinkende Wirkung auf die Skelettmuskulatur bekannt. (3)

Anwendungsbereiche der Manuellen Lymphdrainage

Manuelle Lymphdrainage eignet sich für Beschwerden, bei denen es zu Stauungen (Ödemen) von Lymphe oder Wasser im Gewebe kommt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Lymphödeme
  • Schwellungen nach Verletzungen
  • Ödeme bei rheumatischen Erkrankungen (4)

Darüber hinaus wird die Manuelle Lymphdrainage bei folgenden Erkrankungen regelmäßig angewandt:

  • Nervenschmerzen
  • Bestimmte Formen der Migräne
  • Atemwegserkrankungen mit starker Verschleimung (4)

Kontraindikationen

Die folgenden Kontraindikationen werden vom Heilpraktikerverband genannt, haben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Akute Entzündungen
  • Bösartige Tumorkrankheiten
  • Frische tiefe Venenthrombose
  • Schwere (unbehandelte) Herzinsuffizienz
  • Akutes, allergisches Kontaktekzem der Haut
  • Oberflächliche Venenentzündungen und Thrombosen (4)

Quellenverzeichnis

  1. Wikipedia: Emil Vodder, abgerufen am 30.06.2012.
  2. Springer.com: Die Erkenntnisse des großen Arztes Winiwarter wurden nicht weiterverfolgt. [Quelle aus Wikipedia: Emil Vodder übernommen]
  3. Wikipedia.org: Manuelle Lymphdrainage, abgerufen am 30.06.2012.
  4. Heilpraktikerverband.de: Die Lymphdrainage, abgerufen am 30.06.2012.
  5. DAK.de: Lymphdrainage, abgerufen am 30.06.2012.
  6. Wikipedia.org: Lymphangion, abgerufen am 30.06.2012.
  7. Zsusmann / Moog-Egan 2003 [Quelle aus Wikipedia: Manuelle Lymphdrainage übernommen]
MH

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